Guy Sherwin, Optical Sound, 2007, Kadervergrößerung. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Guy Sherwin.

Profil

Die Abteilung Medientheorie fokussiert sowohl in ihrer Forschungsausrichtung als auch in der Lehre auf unterschiedlichste Medien und nimmt dabei insbesondere deren Produktionsbedingungen und Wirkungen in den Blick wie auch deren wahrnehmungsverändernde Eigenschaften und Potenziale. Im Zentrum steht eine grundlegende Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Medientheorien, die im 20. Jahrhundert entstanden sind und gegenwärtig nach wie vor aktuell sind. Angesiedelt am Institut für Bildende und Mediale Kunst hat sich in der Abteilung für Medientheorie zudem ein Schwerpunkt zu künstlerischer Forschung etabliert. Die Abteilung hat gegenwärtig drei dynamische und herausragende Forschungsprojekte, die vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert werden:

– Originalcopy—Post-digital Strategies of Appropriation (2016–2019)
– Reset the Apparatus! Retrograde Technicity in Artistic Photographic and Cinematic Practices (2016–2019)
– THIS BABY DOLL WILL BE A JUNKIE (TBDWBAJ) (2013–2018).

Siegfried A. Fruhauf: Structural Studies, 2003, C-Print auf Alu. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Siegfried A. Fruhauf.

Medientheorie und Filmwissenschaft

Als relativ junge Disziplin hat die Medientheorie bislang kaum einen verbindlichen Konsens über ihre Inhalte und Grenzen ausgebildet. Gerade die Breite medienwissenschaftlicher Fragestellungen und die anhaltende Dynamik der Medienentwicklung lässt jedoch eine klare Positionierung in Hinblick auf Lehre und Forschung unter den Bedingungen einer Kunstuniversität notwendig erscheinen. Die Schwerpunkte des Lehrstuhls für Film- und Medientheorie (Univ.-Prof. Dr. Gabriele Jutz) liegen sowohl auf prä-digitalen wie auch auf post-digitalen Aspekten einer künstlerischen Ingebrauchnahme von Medien. Da die film studies das Modell für die Analyse audiovisueller Medien bereitstellen, kommt dem Film die Rolle eines Leitmediums zu. Der Fokus liegt insbesondere auf seiner künstlerischen Variante – von den historischen Filmavantgarden über das expanded cinema und die film performance bis hin zum experimentellen Animationsfilm und der aktuellen neo-analogen Filmavantgarde. Zugleich wird auch den sound studies, einem weitgehend vernachlässigten Bereich der Film- und Medientheorie, Gewicht verliehen.

Film- und Medientheorie unter den Bedingungen des Post-Digitalen zu reflektieren, geht von der Einsicht aus, dass digitale Technologien bereits in alle wesentlichen Lebensbereiche eingedrungen sind und ihr utopisches Potenzial längst verloren haben. „Postdigitalität“ ist nicht gleichbedeutend mit einer nostalgischen Rückkehr zum Analogen, sondern bezeichnet vielmehr eine kritische Reflexion der Dominanz des Digitalen in der gegenwärtigen Medienkonstellation. Die Bedeutung einer diachronen Neuorientierung der media studies wurde in einer Studie der „European Science Foundation“ (2013) besonders hervorgehoben: „With rapid technological change we desperately need diachronic studies“. Um sowohl historische wie auch aktuelle künstlerische Medienpraktiken zu verstehen, ist es notwendig, innovative Ansätze einer erneuerten Medien- und Technikgeschichte zu forcieren, die dem gegenwärtigen „material turn“ in Verzahnung mit medienarchäologischen, gesellschaftlichen, institutionellen, ökonomischen und sozialen Aspekten angemessen Rechnung tragen.

Alexandra Daisy Ginsberg, Rewilding with Synthetic Biology, Designing for the Sixth Extinction, 2013-15, Lichtkasten, Detail.

Medientheorie und Theorie der „Biomedien“

Standen bislang vor allem technische Medien im Fokus medientheoretischer Erkundungen, so kommt gegenwärtig eine Vielzahl medientechnologischer Innovationen hinzu, die unter dem Ausdruck „Biomedien“ firmieren. Der Lehrstuhl für Medientheorie (Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Reichle) widmet sich dem Zusammenspiel von Medientheorie und aktuellen Theorien der Biomedien, wie auch dem relationalen Verhältnis von Gegenwartskunst und Naturproduktion in den Technowissenschaften (Biotechnologie und Synthetische Biologie). Die technologische und mediale Rahmung des Biologischen durch Verfahren der Biotechnologie führt zu einer Austauschbarkeit von Code und Materie und lässt das Biologische offen werden für neue Designanwendungen, die als biologisch-technische Konstellationen von Medientechnologien auch in Kunst und Gesellschaft Einzug halten. Die Untersuchung der damit einhergehenden Veränderungen gesellschaftlicher und kultureller Prozesse wird in Forschung und Lehre in einer interdisziplinären Perspektivierung zusammengeführt und zielt sowohl auf die Analyse aktueller künstlerischer Positionen (Bioart, Transgenic Art) als auch auf gegenwärtige gesellschaftliche und ökonomische Prozesse. Künstlerische Produktionsformen werden berücksichtigt und relevante Wissenschaftsdiskurse einbezogen, um ein kritisches Verständnis der Rollen von Medien und Kunst im 21. Jahrhundert zu ermöglichen und zu entwickeln.